Planet Oberhausen – Landung im Druckluft.

Das Betreten der Halle ist mit Straßenschuhen verboten! Die Tür klemmt. Hinter den zahllosen Graffiti an der Gebäudewand versteckt sich eine zweite Tür. Jemand kommt raus. Grüßt. Wir grüßen zurück: Hallo! Hey,…! Geht’s hier rein? Ja, hier – dann links, deutet der Mensch die Richtung an und huscht in den Hof davon.

Ein erster Raum. Kaltes, künstliches, leuchtstoffröhrenartiges Licht fällt uns auf den Körper, wird von den Wänden reflektiert. Die Quelle: Halogenröhren an der Decke und zwei Kühlschränke hinter einer Bar aus zwei Brettern auf Bierkästen zusammengelegt zu einer hüfthohen Theke montiert. Schatten an der Wand. Muster, hervorgerufen durch Murmeln, Federn, Perlen, Plastikfolie, Papierspitze und allerhand Gedöns. Das alles verändert den Raum, taucht ihn in ein aquarellierten, dennoch kühlen Ton. Die Ursache? Ein Lichtkasten, der Licht projiziert. Der Blick wandert weiter. Hinter dem Lichtkasten

planet_oberhausen_IIbefindet sich ein grüner Vorhang. Da irgendwo versteckt eine warme Lichtquelle. Dann ein Durchgang. Die Halle. Der erste Eindruck: wie ein Wohnzimmer. Alte Lampenschirme aus Omas guter Wohnstube stehen in den Ecken. Ohne Energiesparlampen? Nein, alte Wolframdrahtglühbirnen spenden wohliges, dämmriges Licht. Diese Lichtflecken befinden sich partiell verteilt im Raum. Vieles liegt auch im schummrigen Dunkeln. Der Wechsel zwischen Licht und Schatten evoziert beim Eintritt eine Neugier und den Drang den Raum explorativ zu durchschreiten.

Lampe_Blätter

Überall Malwerkzeug. Ein Tisch, größer als die umstehenden in Backpapier eingeschlagenen Bierzeltgarnituren. Auf diesem Tisch: Buntschifte, Filzer, Wasserfarben, Blätter, Papierbögen – Die zweite Bar. Selbstbedienung? Natürlich! Los geht’s! Menschen klauben Stifte und Papier zusammen. Sie sitzen an den Tischen, liegen auf Turnmatten oder haben sich gemütlich in Sessel gefletzt, dabei rauchend, trinkend, und zeichnend. Ein Mädchen kritzelt einfach nur. Eine anderes ist schon länger da. Sie ist tief über ein Blatt Papier gebeugt, zu ihrer Rechten liegen gehäuft ein paar Wachsmaler.

Mädchen_zeichnetTisch_um_den_Leute_sitzen

Der Raum füllt sich, es ist aber nicht laut. Das spaceship ist auch gelandet – schon am Mittag. Der letzte Flug durch den Orbit war etwas ruppig, die Landung in Oberhausen schroff. Hier und da etwas geflickt, neu verschraubt, die Tagtools eingebaut und alles ist wieder beim Alten. Jetzt erzählt einer was, alle hören ihm zu. Aufnahmen von Kindergeschrei auf CD. Jetzt liest er was vor, von einem der stottert und wie er gelernt hat damit umzugehen. Als Letztes wieder eine Aufnahme, ein Knacki erzählt wie er in den Knast gekommen ist und wen er alles umbringen will, wenn er wieder rauskommt. Dann Filme und Musik, Menschen, Gespräche, Geskribble, Gemaltes, Gespräche, Getanze…alles fliest.

tagtoolonauten

Durckluft_Kolonie

Es ist tief in der Nacht, als das Spaceship mit seinen Tagtoolonauten aus der Druckluftkolonie abhebt und den Planet Oberhausen verlässt. Weiter geht die Reise. Wohin? Wer weiß?

planet_oberhausen

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